Vergabe- und Vertragsmanagement

Organisation und Finanzierung des SPNV

Im Jahr 1996 wurde mit Inkrafttreten des Regionalisierungsgesetzes die Verantwortung für den S-Bahn- und Regionalverkehr auf der Schiene – in der Fachwelt als Schienenpersonennahverkehr (SPNV) bezeichnet – von der Bundesebene auf die Bundesländer übertragen. Im Zuge dessen wurde die VBB Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg GmbH durch die Bundesländer Berlin und Brandenburg beauftragt, die Vergabe, Bestellung und Koordinierung von Leistungen im SPNV durchzuführen.

Der Bund stellt den Bundesländern für den SPNV finanzielle Mittel zur Verfügung. Mit diesen sogenannten Regionalisierungsmitteln sowie mit den Fahrgelderlösen werden Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) beauftragt, ein Fahrplanangebot zu erbringen.

Die in der Grafik zur Finanzierung des SPNV dargestellten Mittel für SPNV-Leistungen werden in der Fachsprache Bestellerentgelt genannt. Das Bestellerentgelt wird von dem EVU verwendet, um laufende Kosten wie zum Beispiel Löhne, Fahrzeuge und Energiekosten zu decken. Die zweite Grafik enthält eine durchschnittliche Aufschlüsselung der anfallenden Kosten eines EVU im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg.

Vergabeverfahren im SPNV

Bereits seit dem Jahr 2002 führt die VBB GmbH im Auftrag der Bundesländer Berlin und Brandenburg Vergaben von SPNV-Leistungen durch. Diese sind durch das Vergaberecht formalisiert und unterliegen einem gesetzlich festgelegten Ablaufplan. Wettbewerbliche Vergaben werden für alle Eisenbahnverkehrsunternehmen gleichermaßen offen, transparent und diskriminierungsfrei gestaltet.

Vor Beginn eines Vergabeverfahrens werden zunächst Vergabeunterlagen erarbeitet. Diese enthalten auf Basis bundesweit gültiger Standards Anforderungen an den Fahrplan, die Fahrzeuge oder den Fahrausweisvertrieb, aber auch an die Qualität, z. B. zu Pünktlichkeit, Sauberkeit und Fahrgastinformation. Weiterhin enthalten diese Anreiz- und Sanktionierungsregelungen.

Eröffnet wird das Vergabeverfahren mit einer öffentlichen Bekanntmachung, sodass der gesamte Interessentenkreis davon Kenntnis erhalten kann. Anschließend werden die interessierten EVU auf Grundlage der Vergabeunterlagen zur Abgabe eines Angebotes aufgefordert. Ggf. wird daraufhin auch mit den EVU über ihr Angebot verhandelt. Im Rahmen der Wertung der Angebote werden neben dem Preis auch die von den EVU über die Mindestanforderungen hinaus angebotenen Qualitätskriterien einbezogen. Das wirtschaftlich günstigste Angebot erhält den Zuschlag. Zwischen den Bundesländern und dem betreffenden EVU wird ein Verkehrsvertrag geschlossen.

Im Regionalverkehr in Berlin und Brandenburg wurden in den vergangenen Jahren nahezu alle derzeitig erbrachten Leistungen im Wettbewerb vergeben.  Für die Berliner S-Bahn konnte das wettbewerbliche Vergabeverfahren für das erste Teilnetz Ring im Dezember 2015 abgeschlossen werden. Der Betrieb auf diesem Netz wird – entsprechend der sukzessiven Auslieferung der Neufahrzeuge – stufenweise ab 2021 aufgenommen.

Aktuell laufende Vergabeverfahren im SPNV werden hier veröffentlicht: Aktuelle Vergabeverfahren

Derzeit bestehen mit den in den Ländern Berlin und Brandenburg tätigen Eisenbahnverkehrsunternehmen in Summe mehr als 15 Verkehrsverträge. Insgesamt wurden im Jahr 2016 ca. 70 Mio. Zugkilometer pro Jahr auf ca. 50 Linien des Regionalverkehrs und 15 Linien der Berliner S-Bahn vereinbart.

Management von Verkehrsverträgen

Die VBB GmbH nimmt im Auftrag der Bundesländer Berlin und Brandenburg das Management der Verkehrsverträge wahr.

Dies umfasst zum einen die jährliche Bestellung des Fahrplans einschließlich baubedingter Fahrplanänderungen. Weiterhin werden sämtliche vertraglich vereinbarten Leistungs- und Qualitätspflichten geprüft. Auch die finanzielle Abrechnung der Verkehrsverträge wird durch die VBB GmbH durchgeführt.

Weitere Informationen zu den Verkehrsverträgen erhalten Sie hier.

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